Südtoskana Reisekompass Orbetello Maremma Porto Ercole

Die Südtoskana ist weniger bekannt als die Region rund um Florenz. Eine Reise zu duftenden Wäldern, einsamen Stränden und kulinarischen Genüssen.

Diese Duftmischung ist unvergleichlich: Pinien, Rosmarin, sandiger Boden, ein Hauch von Meer und Salz. Wir wandern durch den lichten Wald, die Schritte unserer müden Beine werden vom weichen Untergrund abgefedert. Plötzlich wird es lichter und wir hören die Brandung des Meeres: Wir erreichen einen Sandstrand, der sich in beide Richtungen ausdehnt; im Hintergrund sehen wir die Umrisse der gebirgigen Halbinsel Monte Argentario. Wir sind die einzigen Besucher hier, weit draußen schaukelt ein einsames Boot in den Wellen.

Das ist die Toskana, wie man sie kaum kennt. Üblicherweise denken wir an prächtige, aber auch überfüllte Städte und Sehenswürdigkeiten, allen voran Florenz, Lucca und Pisa. Doch wer weiter in den Süden dieser italienischen Region reist, bekommt eine ganz andere Seite der Toskana zu sehen – eine wilde, weniger zugängliche, aber umso reizvollere.

Das Reiskompass-Team hat den südlichsten Teil der Toskana erkundet; hier finden sich die Maremma, eine einzigartige Naturlandschaft, und die Halbinsel Monte Argentario, durch drei schmale Landzungen mit dem Festland verbunden. Auch die Stadt Grossetto und romantische Dörfer im Landesinneren machen den Reiz dieses Gebiets aus.

Porto Ercole am Monte Argentario

Als Standort für die Erkundung der Region haben wir uns für Porto Ercole auf der bereits erwähnten Halbinsel Monte Argentario entschieden. Der sympathische Ort mit einem lebendigen Hafen, bewacht von imposanten Festungsanlagen, hat rund 4000 Einwohner. Von hier ist es nicht weit zu den schönen Stränden auf der Tomboli della Feniglia – diese dritte Landzunge ist für den Verkehr gesperrt und das Naturschutzgebiet (Riserva Naturale Duna Feniglia) kann nur zu Fuß oder dem Fahrrad erkundet werden. Das Auto am besten auf einem der Parkplätze am Beginn der Landzunge stehen lassen und die luftigen Wälder erkunden; dazwischen oder danach am breiten Strand (Spiaggia della Feniglia) erholen. Wer kleinere Strände bevorzugt: Entlang des Monte Argentario finden sich viele, teils versteckte und oft schwer zugängliche Strände. Am besten im lokalen Tourismusbüro eine Karte besorgen. Achtung: Viele Straßen an der Westseite der Halbinsel sind schmal und bei Regen nur bedingt befahrbar.

Porto Ercole, Südtoska Reisekompass
Porto Ercole, Südtoskana (Bild: Alessio Ciavattini via Unsplash)

Der größere Ort auf Monte Argentario ist Porto Santo Stefano, es ist deutlich mehr los und es gibt mehr Restaurants und Geschäfte. Der italienische Geldadel geht hier vor Anker, wie ein Bummel am Hafen beweist; auch die Wohnungen und Häuser werden vor allem von Gäste aus dem nicht weit entfernten Rom für Ferien genutzt. Unter anderem hat Bud Spencer (bürgerlicher Name Carlo Pedersoli) in Porto Santo Stefano gewohnt. In der Hochsaison ist viel los, aber der Ort hat sich seinen Charme bewahrt.

Südliche Toskana Reisebericht Reisekompass © Reisekompass / alle Rechte vorbehalten
Porto Santo Stefano (Bild: © Reisekompass)

Das gilt auch für Orbetello, eine kleine Stadt auf der mittleren Landzunge. Wer vom Monte Argentario kommt, sieht unvermutet deren Häuser aus der Lagune ragen; von der anderen Seite passiert man einen Torbogen der beeindruckenden Stadtmauer. Einkaufsmöglichkeiten und nette Restaurants machen Orbetello zur idealen Destination für abendliche Spaziergänge. Samstags findet ein großer Markt nahe der Viala Caravaggio statt, auf dem neben kulinarischen Köstlichkeiten auch günstige Textilien und allerhand Tand verkauft werden.

Südliche Toskana Reisebericht Reisekompass © Reisekompass / alle Rechte vorbehalten
Orbetello (Bild: © Reisekompass)

Ein Höhepunkt der Region ist der Naturpark Maremma – kaum zu glauben, dass sich in Europa ein solches naturbelassenes Juwel erhalten hat. Der „Parco Naturale della Maremma“ (so der offizielle Name) liegt in der Nähe von Albarese. Hier leben unter anderem Wildschweine, Rehe und die bekannten weißen Maremma-Rinder mit ihren riesigen Hörnern. Die Zufahrt erfolgt über eine schmale Straße, die mit Schranken versperrt ist – Tickets dafür beim Centro Visite di Albarese, wo wir uns auch Wanderkarten und gute Tipps holen. Achtung: Hunde sind im Naturpark strikt verboten.

Wir entscheiden uns für eine dreistündige Wanderung, die uns vom Parkplatz „Parcheggi Pinottolai“ zum Torre di Castel Marino, zum Torre di Collelungo und weiter zum Strand führt. Schweißtreibend, aber die Aussicht von einem Felsen auf die gewaltigen Baumkronen vor dem Hintergrund des Tyrrhenischen Meeres entlohnt uns. Beim Rückweg treffen wir dann auch die Maremma-Rinder, die uns vom Flußufer gegenüber argwöhnisch begutachten.

Südliche Toskana Reisebericht Reisekompass © Reisekompass / alle Rechte vorbehalten
Im Naturpark Maremma (Bild: © Reisekompass)
Südliche Toskana Reisebericht Reisekompass © Reisekompass / alle Rechte vorbehalten
Maremma (© Reisekompass)

Wer nach Natur, Strand und Meer wieder etwas Stadtluft atmen will, kann sich nach Grossetto begeben, dem Hauptort der Maremma. Auf den ersten Blick wenig einladend, zeigt sich im Kern eine nette Altstadt innerhalb der Festungsmauern. Empfehlenswert ist ein Besuch des Museo Archeologico d´Arte della Maremma, das archäologisch Spannendes aus Etrusker- und Römerzeit zeigt – und wir durften sogar mit Hund hinein (typisch für das hundefreundliche Italien!). Die Kirche San Francesco an der Piazza Indipendenza und der Dom San Lorenzo sind ebenfalls sehenswert. Gute Lokale und italienische Gemütlichkeit machen Grossetto zu einer sympathischen Destination der Region.

Die Zeit wird knapp, wenn man viel sehen und erleben will – aber wir wollen uns keinen Stress machen, das würde nicht zur Toskana passen. Sehenswert sind zweifellos Pitigliano – die Stadt thront auf einem Tuffsteinfelsen und wirkt beinahe unwirklich. Auch Sovana und das weniger bekannte Sorano sind einen oder mehrere Abstecher wert. Bedenken sollte man, dass das Hinterland gebirgig ist und die Fahrten daher ein ewiges Auf und Ab ist.

Für Weinliebhaber gibt es zahllose kleinere Weingüter zu besichtigen, von denen es einige – etwa Monteverro – inzwischen zu Weltruhm gebracht haben. Aber auch sonst mangelt es nicht an Möglichkeiten, sich selbst bestens zu versorgen: Kleine Feinkostläden und sogar Supermärkte haben eine tolle Auswahl an Käse, Wurst, Wein und Sonstigem, was wir eben so brauchen, um die Toskana – und hier ist sie besonders ursprünglich – genießen zu können. Es bleibt die Gewissheit, dass sich die etwas längere Anfahrt bezahlt gemacht hat: Wir haben eine andere Seite der Toskana zu Gesicht bekommen.

Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Südtoskana
Spiaggia della Feniglia (© Reisekompass)

Praktische Informationen zur Südtoskana

Anreise

Die Anreise mit dem Auto dauert etwas länger als man für die Toskana einplant – es geht eben ein Stück weiter in den Süden. Von Florenz sind es noch rund zwei Stunden bis in den Süden der Toskana. Von Österreich und Deutschland empfiehlt sich daher ein Zwischenstopp, beispielsweise in Udine (Hoteltipp: Le Fucine, etwas außerhalb, auch Café und Bistro). Wer nicht so lange fahren will, fliegt beispielsweise nach Rom, von dort sind es mit dem Mietwagen knapp zweieinhalb Stunden nach Porto Ercole; denkbar ist dann eine Zwischenübernachtung.

Unterkunft

Es mangelt nicht an Unterkünften, von einfachen Pensionen über AirBnB-Quartieren bis zu Luxushotels. Unser Tipp ist Porto Ercole, etwas kleiner als der Hauptort Porto Santo Stefano.

Restaurants

In der Toskana hat man die Qual der Wahl, es gibt eine unendliche Anzahl toller Restaurants.

Einige Tipps:

  • In Orbetello haben uns das Ristorante Bistrò Ale (netter Familienbetrieb) überzeugt.
  • In Porto Santo Stefano ist die Trattoria Lo Sfizio zu empfehlen, unter anderem wegen der hervorragenden Fischgerichte (etwas versteckt liegend, Aufgang von der Hafenpromenade über Treppen).
  • In Sorano ist die Cantina L´Ottave Rima mit einer kleinen, ausgewählten Speisekarte und dem Fokus auf „Slow Food“ erwähnenswert.
  • Ebenfalls gut zu essen bekommt man in der Pizzeria Grano (Porto Ercole), in der Trattoria Rugantino (Orbetello) oder im Il Tagliapasto (Grossetto).

Verpflegung

Wer eine Stärkung braucht, besucht den Sandwich Club in Porto Ercole – die Schlangen vor dem Mini-Lokal beweisen die Beliebtheit bei Einheimischen. Hier bekommt man herrliche (und zugleich günstige) Paninis, stets frisch gemacht. Für Selbstverpfleger oder für Mitbringsel empfiehlt sich Anna Alimentari, ein kleiner Laden mit Köstlichkeiten und herbem italienischen Charme, und die Bäckerei Il Forno del Porta. Das Notwendige holt man sich beim Coop in Orbetello.

Foto ganz oben: Blick auf die drei Landzungen zu Monte Argentario mit Orbetello (Bild von Paolo Comai via Unsplash)

Similar Posts